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Theologische Brocken, Matthes & Seitz Verlag Berlin |
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Im Inneren einer sich zunehmend atheistisch verstehenden Welt
entsteht eine Leerstelle, die angesichts unbewältigbarer Krisen die
Menschen fragil und mutlos macht. Die in den Theologischen Brocken
erscheinenden Texte machen sich auf die Suche nach überraschenden
Denkangeboten in einer unübersichtlichen Lage. Sie versuchen, der
Theologie mit der Frage nach dem Mehr-als-Menschlichen Antworten auf
die Herausforderungen der Gegenwart zu entlocken. Denn in ihr hat
sich eine Vernunft nach eigenen Gesetzen bewahrt, die wir nun zu
Wort kommen lassen – und damit unsere eigene Rationalität infrage
stellen. Nichts, was philosophisch von Bedeutung ist, kommt ohne
Berücksichtigung der Frage aus, wie man es mit der Religion hält.
Mit den Theologischen Brocken betrachten wir die Aufklärung von
ihrer Rückseite und suchen nach Möglichkeiten der Widerständigkeit
gegen ein überpräsentes Heute. |
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Gerhard Poppenberg Maria voll der Gnade
Geschichte und Gehalt eines Denkbilds Matthes & Seitz Berlin,
2025, 192 Seiten, Klappenbroschur, 978-3-7518-6513-5
20,00 EUR
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Theologische
Brocken Bd. 013 Ein paar Berichte in den apokryphen
Evangelien und, alles in allem, keine fünf Seiten im Neuen Testament
– mehr umfasst die Geschichte von
Maria nicht. Und doch ist daraus ein gigantischer Komplex aus
Frömmigkeit und Religion, Liturgie und Institution und vor allem
Theologie und Dogmatik entstanden, der nicht nur zum elementaren
Bestand des Christentums gehört, sondern auch Grundfragen von
Zivilisation, Geschichte und Menschsein betrifft. Doch wie kam es
dazu? Wie konnte eine zunächst historische Figur zu einer der
bedeutendsten Gestalten der christlich geprägten Welt werden?
Gerhard Poppenberg rückt in seiner weniger religions- als kultur-
und ideengeschichtlich ausgerichteten Suche nach Antworten die
Bildlichkeit der Immaculata-Darstellungen ins Zentrum und erkennt
schließlich Maria als ein Denkbild. Dessen exemplarische Analyse
führt nicht nur zur historischen Figur Maria, sondern liefert auch
Einsichten darüber, was ein kultureller Gegenstand überhaupt sein
kann.
Leseprobe |
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Thomas Müntzer Die Gewaltigen vom Stuhl stoßen
Schriften und Briefe Matthes & Seitz Berlin, 2025,
336 Seiten, Klappenbroschur, 978-3-7518-6512-8 22,00
EUR
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Theologische
Brocken Bd. 012 Radikaler Reformator, Theologe und Prediger
während der Bauernkriege – über Jahrhunderte war
Thomas Müntzer ein
kriminalisierter Aufrührer, der aus der Kirchengeschichte und der
Erinnerung an die gescheiterten Aufstände des »gemeinen Volks« in
Deutschland verbannt bleiben sollte. Erst 1850, nach der
verhinderten bürgerlichen Revolution, rückte ihn Friedrich Engels
wieder ins Licht des historischen Gedenkens. Und spätestens seit
Ernst Blochs Thomas Münzer als Theologe der Revolution ist klar:
Müntzer war ein eigenständiger Reformator, dessen Verschränkung von
unbedingter Erneuerung der Christenheit und Kampf gegen die
Knechtschaft der ärmeren Schichten eine ungeheure Kraft entwickeln
konnte.
In den von Rudolf Bentzinger und Siegfried Hoyer
modernisierten Fassungen der hier von Ludwig Fischer herausgegebenen
programmatischen Schriften Müntzers wird der Blick frei auf das
Ringen eines furchtlosen Menschen in einem dramatischen
geschichtlichen Kampf um eine Zukunft, in der die Tyrannen und
Bösewichte »vom Stuhle gestoßen« sind und »alles allen gehört«.
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Sebastian Ostritsch
Serpentinen
Matthes & Seitz Berlin, 2025,
220 Seiten, Klappenbroschur 978-3-7518-6514-2 20,00
EUR
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Theologische
Brocken Bd. 011 Die Gottesbeweise des
Thomas von Aquin nach dem Zeitalter der Aufklärung Gottes
Existenz eine Sache der Vernunfterkenntnis? Diese Idee dürften die
meisten für unverständlich oder gar für blanke Hybris halten. Glaube
und Vernunft bilden für den Zeitgenossen, der sich vom Licht der
Vernunft erleuchtet wähnt, in der Regel einen unversöhnlichen
Gegensatz. Es versteht sich für ihn von selbst, dass er sich bei
diesem Widerstreit ganz auf die Seite der Vernunft schlägt.
Spätestens seit Kants Kritiken gilt ihm: Was Gott betrifft, könne
man sich nicht auf die Vernunft, sondern höchstens auf den Glauben
berufen. »Serpentinen« zeigt das Gegenteil. Es beginnt als
faszinierende allgemeine Einführung in die überraschende Philosophie
und Theologie des heiligen Thomas von Aquin, um sich dann den fünf
Wegen zuzuwenden, die Thomas zur Beweisführung der Existenz Gottes
entwickelt hat.
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Friedrich Nietzsche Gott ist tot Texte
zur Religion Matthes & Seitz Berlin, 2025, 320 Seiten, Gebunden,
978-3-7518-6510-4 22,00 EUR
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Theologische
Brocken Bd. 009 Der »Tod Gottes« und »Der Antichrist« – der
Status Friedrich Nietzsches
als atheistische Gewährsfigur der abendländischen
Philosophiegeschichte ist unbestritten. Und doch: Verbirgt sich in
Nietzsches Denken nicht vielleicht ein Funke Religiosität? Michael
Steinmann führt mit seiner Auswahl durch Texte und Passagen im Werk
des Philosophen, in denen ein komplexeres Verhältnis zur Religion
aufblitzt. Denn mithin muss das Bild von Nietzsche als Feind aller
Religion richtiggestellt werden. Wenn man sich von dem Kurzschluss
befreit, hinter jeder Kritik am Christentum per se Antireligiosität
zu vermuten, lässt sich bei Nietzsche ein eigentümtlicher Sinn für
religiöse Erfahrung ausmachen – die von einer »Lebensfrömmigkeit«
bis hin zu einer weltlichen Anverwandlungs des Passionsgedankens
reichen kann.
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Mario Perinola Vom katholischen Fühlen
Originaltuitel Del Sentire Cattolico (Italienisch) Matthes &
Seitz Berlin, 2025, 183 Seiten, Gebunden, 978-3-7518-6511-1
20,00 EUR
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Theologische
Brocken Bd. 008 Der italienische Philosoph Mario Perniola
konstatiert in dieser tiefgreifenden Studie, dass sich das Wesen des
Katholizismus nicht in Lehre und Dogma ausdrückt, sondern in einer
bestimmten Art zu fühlen. Bezugnehmend unter anderen auf Ignatius de
Loyola definiert er einen autonomen kulturellen Katholizismus, der
geprägt ist von einem objektiven, rituellen, in der antiken
römischen Welt wurzelnden äußerlichen Fühlen. Perniola macht dabei
auch einen traditionellen Formalismus stark und geht so weit, darin
die Möglichkeit zur Rettung einer Welt zu sehen, die sich durch
ihren sentimentalen Subjektivismus selbst zersetzt. »Das eben ist
die Pointe an Perniolas tiefschürfender und erhellender Studie: dass
nicht der Katholizismus, wie es gewöhnlich die Spatzen von den
Dächern pfeifen, scheinheilig ist, sondern ein
Aufrichtigkeitsprinzip, welches das eigene Selbst zum Maßstab
nimmt.« — Thomas Palzer, DEUTSCHLANDFUNK
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Ignatius von Loyola Die Exerzitien
Geistliche Übungen und Tagebucheinträge Matthes & Seitz Berlin,
2025, 294 Seiten, Gebunden, 978-3-7518-6504-3 22,00
EUR
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Theologische
Brocken Bd. 007 Übersetzung: Ferdinand Weinhandl Innere
Unabhängigkeit, Strenge und Gehorsam: Dank dieser Prinzipien und
einer hocheffektiven Organisation wurde der Orden der Jesuiten zur
zentralen Kraft der Gegenreformation. Mit den Ignatianischen
Exerzitien, die am Beginn der Ordensgründung standen, fand der
unmittelbare Dialog zwischen Mensch und Gott seine Form. Heute sind
die Exerzitien als geistliche Übungen ein spirituelles Angebot auch
für Nicht-Christen. In ihrer klassischen Form als Praxis zwischen
Gebet und Meditation auf eine Dauer von vier Wochen angelegt, geben
sie eine Anleitung zur »Unterscheidung der Geister« – der Prüfung
der eigenen Gedanken auf ihre Herkunft hin: Stammen sie von mir, vom
Guten oder aber vom Bösen? »Ars semper gaudendi. Diese Kunst ist
die Praxis einer Entdeckung, um deretwillen allein das
psychologische Genie Loyola
sein Heiligtum verdient. Er stellte als Erster fest, dass der durch
das Gewissen versehene Europäer umso mehr unter diesem Gewissen
leidet, je stärker er an der Täuschung der eigenen Willensbestimmung
festhält. Die Ausschaltung des freien Willens ist das vollendete
Glück, dem Glück des Verliebten gleich, der zur Frau sagt, mach mit
mir, was du willst.« Franz Blei
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Norbert Bolz Christentum ohne Christenheit
Matthes & Seitz Berlin, 2025, 142 Seiten, Gebunden,
978-3-7518-6506-7 20,00 EUR
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Theologische
Brocken Bd. 006 Der Gottestod als Ärgernis: In einem
tiefgründigen Essay geht Norbert Bolz der »Erfindung« des
Christentums nach, das erst durch Paulus und dessen radikalem »Wort
vom Kreuz« seine weltgeschichtliche Gestalt gefunden hat. Dieser
paulinischen Erfindung verdankt die moderne Gesellschaft ihre
Entstehung, das Christentum hat die Säkularisationsgeschichte selbst
in Gang gesetzt – und damit die eigene Dekonstruktion. Norbert Bolz
folgt der Entzauberung der Welt durch die Wissenschaften und die
Verweltlichung der christlichen Glaubensüberzeugungen, um
schließlich die »Pervertierung des Christentums« zu konstatieren:
Dessen Niedergang wird durch den Versuch besiegelt, sich an den
Zeitgeist anzupassen, indem Dogma und Orthodoxie preisgegeben und
auf naive Weise theologische Politik betrieben wird. Doch »wer das
Christentum glaubt, verteidigen zu müssen, hat nie an Jesus Christus
geglaubt«. Folgerichtig verteidigt Bolz das Christentum nicht gegen
die Lebenspraxis der Christenheit, sein theologisches Nachdenken
über das Christentum rehabilitiert zuallererst dessen ursprüngliche
Kraft, die jedes Wertesystem herausfordert – und umkehrt.
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Helwig Schmidt-Glintzer Die Reden des Buddha
Matthes & Seitz Berlin, 2025, 190 Seiten, Gebunden,
978-3-7518-6505-0 20,00 EUR
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Theologische
Brocken Bd. 005 Die Lehre des Buddha
weist einen Weg zur Weisheit und zur Erlösung des Einzelnen. Die
Einsicht, dass die Welt ein Ort des Leidens und der Vergänglichkeit
sei, steht am Beginn des »mittleren Wegs« zwischen Askese und
Zügellosigkeit – die Absage an die Extreme. Zugleich eröffnet
Buddha, der seine Lehre aus unendlichem Mitleid den Menschen
schenkt, damit den Weg aus der Unwissenheit und dem Kreislauf des
Leidens. 500 Jahre lang wurden die buddhistischen Lehrtexte
mündlich überliefert, ehe sich der Kernbestand der Weisheitslehre
auch schriftlich kanonisierte. Aus den zentralen Texten besorgte
Helwig Schmidt-Glintzer eine wesentliche Auswahl, die den Heilsweg
des Buddha anhand seiner Reden beschreibt. Von der »Vergänglichkeit
des Daseins« und der »Macht von Alter und Tod« handeln seine
Predigten, dem Jenseits gilt sein Fragen. Die Reden des Buddha ist
Einführung in den Buddhismus und Vademecum für den Alltag.
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Stefano Levi Della Torre Gott
Matthes & Seitz Berlin,
2024, 199 Seiten, Gebunden, 978-3-7518-6501-2 20,00
EUR
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Theologische
Brocken Bd. 004 Der italienische Denker und Philosoph Stefano
Levi Della Torre spürt in seinem luziden Essay dem Geheimnis des
Religiösen und des Göttlichen nach, das die rationalistische und
agnostische Gegenwart durchwebt. Die Gottesidee nämlich, so Levi
Della Torre, hält unser kulturelles Universum zusammen – auch wenn
sie selbst längst aus dieser Welt ausgezogen ist. Um diese
Leerstelle zu rekonstruieren, erschließt er die Statik eines
Gefüges, das die Idee des Göttlichen noch in der Abwesenheit
aufrechterhält. Er konstatiert: Seit dem Ende des Zeitalters der
Religion leben wir in einem Zustand systemischer Ungewissheit, die
dem Heiligen als dem furchtbaren Unbekannten Tür und Tor öffnet;
denn es war vordem die Religion, »die das Heilige bändigte und auf
menschliches Maß brachte«. Was die Religion hinterlässt, ist
zugleich das, was sie zuvor erst hervorgebracht hat: Wir stoßen auf
das Paradox, dass Gott erklärt, woran alle Erklärungen scheitern.
In seinen Betrachtungen zwischen Philosophie und Anthropologie, in
denen er die jüdische und christliche Tradition auf ihr
Gottesverständnis hin befragt, entwirft Stefano Levi Della Torre
eine säkulare Theologie. Von sich selbst sagt er: »Gott ist mein
Zeuge, dass ich kein Gläubiger bin.«
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Knut Ebeling Der Krieg im Kopf
Meditieren mit Bataille Matthes & Seitz Berlin, 2024, 365 Seiten,
Gebunden, 978-3-7518-6500-5 24,00 EUR
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Theologische
Brocken Bd. 003 In einem regnerischen und grauen September
begibt sich Knut Ebeling auf eine Vipassana-Meditation. Er will Ruhe
finden, den Gedankenstrom anhalten, eine Depression überwinden. Es
ist nicht seine erste Meditation, und wie die anderen ist sie
bestimmt von Schweigen, Atemübungen und vollkommener Enthaltsamkeit
gegenüber der Schrift. Doch schon bald beginnt er, sich Notizen zu
machen, mit dem Einzigen, was ihm zur Verfügung steht, einem
tropfenden Kugelschreiber und Toilettenpapier, und legt damit seine
Erfahrung über eine andere: Gut neunzig Jahre vor ihm hat auch
Georges Bataille meditiert. So kam der Philosoph durch die
Kriegsjahre und veröffentlichte 1947 die Methode der Meditation,
einen Band, der bisher kaum rezipiert worden ist – in dem
grenzensprengenden Werk von Bataille eine scheinbar esoterische
Verirrung. Und doch wird darin die radikale Erfahrung von einem
In-der-Welt-Sein zur Methode, und zwar des Denkens. In seiner
autotheoretischen Schrift schaut Knut Ebeling durch seine eigene
Meditationserfahrung auf die geteilte Praxis, die die Grenzen des
Denkbaren durch sinnliche Erfahrung überschreitet: Das Atmen, die
Empfindungen und ihre Abwesenheit, die Askese des Blicks, der
Schmerz und das Vergehen der Zeit werden Leitpunkte einer Reflexion,
die das Philosophieren dezentriert. Knut Ebeling offenbart so einen
intimen Blick auf einen anderen Bataille, der mitten in die Krisen
des gegenwärtigen Selbst und unserer Zeit führt: Kann man sich durch
einen Krieg meditieren?
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Simone Weil Das Unglück und die Gottesliebe
Matthes & Seitz Berlin, 2024, 320 Seiten, Gebunden,
978-3-7518-6503-6 20,00 EUR
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Theologische
Brocken Bd. 002 Simone Weil ist
erst 33 Jahre alt und wird ein Jahr später sterben, als sie im April
und Mai 1942 ihren wichtigsten spirituellen Text verfasst. Das
Unglück und die Gottesliebe erschien posthum mit einem Vowort von
T.S. Eliot. Das Unglück – in Form von physischem oder seelischem
Schmerz, aber auch sozialer Erniedrigung – enwurzelt den Menschen so
sehr, dass der von ihm Betroffene das Ganze seines Leben nicht mehr
einzuordnen vermag und es als sinnlos empfindet. Um nicht
vollständig vom Unglück zerrissen zu werden, muss der Mensch das,
was ihm auferlegt ist, annehmen und ihm zustimmen. Dies gelingt ihm
jedoch nur dann, wenn er sich etwas Größerem unterordnet. Das kann
nur Gott sein, bzw. übernatürliche Liebe. So ist das Mysterium des
Unglücks das Erleben einer religiösen Erfahrung und ein mystischer
Weg in die Gottesliebe, die ihm verwehrt bliebe, wenn er von sich
aus danach strebte, denn das Tor zu Gott ist unmöglich zu öffnen –
es sei denn, es wird von innen geöffnet. So braucht es Geduld, um
die Erfahrung der Liebe Gottes zu machen, die einem geschenkt oder
vorenthalten wird, aber auf keinen Fall zu erwerben ist.
Voraussetzung ist das Aufmerken, aufmerksam sein, anderen gegenüber,
der Natur, den Armen, den Verstoßenen gegenüber. Aufmerksamkeit ist
ein Kraftfeld, in dem das Ich kleiner wird und das Du immer größer.
Aufmerksamkeit ist der Weg zu Gott.
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Søren Kierkegaard Die Lilie auf dem Feld und der
Vogel unter dem Himmel
Matthes & Seitz Berlin,
2024, 105 Seiten, Gebunden, 978-3-7518-6502-9 18,00
EUR
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Theologische
Brocken Bd. 001 Drei Reden, Gott betreffend In der Lilie
auf dem Feld und dem Vogel unter dem Himmel entdeckt Søren
Kierkegaard die Lehrmeister im Schweigen, im Gehorsam und der Freude
– den drei überzeitlichen Lebenshaltungen auf dem Weg zur Erkenntnis
dessen, »was es heißt, Mensch zu sein«. Mit der Beharrungskraft des
Gläubigen richtet sich Kierkegaards Lektüre gegen säkulare
Beliebigkeit und mahnt dazu, »zuerst nach dem Gottesreich zu
trachten«. Seine Drei Reden, Gott betreffend veröffentlichte
Kierkegaard, einer der bedeutendsten Philosophen des 19.
Jahrhunderts, 1849, einem seiner produktivsten Jahre. Als
mitreißender Prediger unterzieht er einen Abschnitt der Bergpredigt
(»Niemand kann zwei Herren dienen«) einer bezwingenden
philosophischen Auslegung. Inmitten der »frohen Botschaft« des an
der Oberfläche versöhnlichen Evangeliums tut sich bei Kierkegaard
ein Abgrund auf, der dem Menschen Eindeutigkeit abverlangt:
»Entweder Gott lieben – oder ihn hassen.« Ein Vademecum der
spirituellen Disziplin, wird Kierkegaards dreifache Rede Die Lilie
auf dem Feld und dem Vogel unter dem Himmel in der Neuübersetzung
von Peter Urban-Halle zur Demonstration rhetorischer Kunst und
Aufforderung zu radikaler Weltverneinung. Ihre Leser will sie zur
Entschiedenheit anstiften, nicht aber ohne Trost zu spenden: »Lerne
also von der Lilie und dem Vogel. Wirf all deine Sorge auf Gott!«"
Leseprobe |
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